25 Jahre Forum Eulenhof Bergstraße Klostermedizin

Eingang zur historischen Kuhkapelle im Eulenhof. Eine ehemligen Besitzung des Kloster Ruppertsberg.

Der erste Referent in unserem Forum zum Thema Kräutermedizin war Dr. Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin (Würzburg). Er legte mit seinem hinreißenden Vortrag und den originalen Rezepten von Hildegard von Bingen den Grundstein für unsere Liebe zu historischen Medizingärten. Bei einem zweiten Besuch erläuterte unseren Teilnehmern den von ihm mitgestalteten ehemalingen Klostergarten in Lorsch, der leider dem heutigen Kräutergarten weder im Aufbau noch vom Standort entspricht. Seine vielen Erläuterungen zu den Medizinpflanzen vom Lavendel bis zum Mönchspfeffer sind uns bis heute in Erinnerung geblieben.  Er legte für uns den Grundstein dafür, das wir heute 2021 beginnen einen der Praxis angeschlossenen eigenen Medizingarten zu gestalten.

Statt Aspirin: Brei mit Alkohol

Artikel im Bergsträßer Anzeiger über unsere Veranstaltung des Forum-Eulenhof im Lorscher Klostergarten am 2011.

Lorsch. Wen leichte Kopf- oder Gliederschmerzen plagen, der nimmt heute einfach ein Aspirin. Wie aber behalf man sich früher, als Medikamente in großer Vielfalt nicht bequem für jeden Kranken zur Verfügung standen? Mediziner aus der Region trafen sich jetzt zu einem „Facharztübergreifenden Gedankenaustausch“ in Lorsch. „Brauchen wir immer gleich ein Antibiotikum?“ hieß das Motto für die Infoveranstaltung, bei der über mögliche Alternativen nachgedacht werden sollte. Im Mittelpunkt stand dabei zum Auftakt der imposante Kräutergarten des Klosters.

Insgesamt 500 Pflanzen gedeihen dort auf vier Hochbeeten. Vorgestellt wurden die Gewächse und ihre heilkundliche Bedeutung von Dr. Johannes Gottfried Mayer, Mitarbeiter des Instituts für Geschichte der Medizin der Universität Würzburg. Der Heilpflanzen-Experte führte die Zuhörer zurück in eine Zeit, in der zahlreiche Menschen immer wieder vor allem unter Magen- und Darmerkrankungen litten. Kein Wunder, schließlich gab es im Mittelalter keine Kühlschränke – und auch das Wissen über Hygiene und Desinfektion war noch gering.

Sauberes Wasser war selten

Der Wissenschaftler erläuterte die Wirkung von auch heute oft verwendeten Kräutern wie Salbei, Kümmel und Liebstöckel. Er erklärte aber auch, warum beispielsweise Keuschlamm – besser bekannt als Mönchspfeffer – , Beinwell und viele Minzen so beliebt waren. Sie linderten Schwellungen und Reizungen und milderten Schmerzen.

Unsere Vorfahren lagen mit ihren Rezepten oft gar nicht so falsch, machte Mayer klar. Viele moderne Arzneien enthalten auch heute die schon damals geschätzten pflanzlichen Wirkstoffe. Tees haben sich die Patienten damals allerdings nicht gekocht, unterstrich er. Die Pflanzen wurden vielmehr als Brei verabreicht. Und vor allem: Sie wurden fast immer in Wein zubereitet. Sauberes Wasser hatte schließlich Seltenheitswert – die alkoholische Flüssigkeit galt dagegen als das sicherste Getränk.

Arzneibuch als innovatives Werk

Dass in der Klosterstadt mit dem berühmten Lorscher Arzneibuch Geschichte geschrieben wurde, erwähnte der Medizinhistoriker mehrfach. Die Rezeptesammlung, die um das Jahr 795 in Lorsch entstand, ist die älteste erhaltene medizinische Handschrift im deutschsprachigen Raum. Und die Autoren erwiesen sich vielfach als weitsichtig und innovativ. Erstmals wird in dem Werk zum Beispiel Baldrian bei Schlafproblemen empfohlen und das Rotöl des Johanniskrauts als Hilfe bei Verstimmungen.

Meyer berichtete zahlreiche interessante Einzelheiten: Wie sich die Redensart „keine Skrupel haben“ aus der einst kleinsten ApothekerMaßeinheit Scrupulum herleitete, wie Blutreinigung durch Aderlass funktionierte, wie der stechende Mäusedorn, heute bei Venenleiden beliebt, einst Nager vom Käse fernhielt, wie die Herbstzeitlose bei Gicht half.

Ein weiteres Ärzte-Treffen, das auch für Patienten offen sein soll, ist von Organisatorin Dr. Claudia Ricken angedacht. Dann könnte Kosmetik ein Schwerpunkt sein.

Das ZDF hat in der Sendereihe Terra-X einen interessanten Film mit Dr. Mayer über Klostermedizin gestaltet. https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/drogen-eine-weltgeschichte-mit-harald-lesch-teil-eins-100.html