Wenig Zucker – guter Geschmack dank Biotechnologie

Der Werkzeugkasten der Natur hilft Zucker zu reduzieren.

 

Am 25. März 2017 findet das Frühjahrs-Symposium: „Die Zunge“ in unserer Praxis statt. Die Mikrobiologin Dr. Riehle hält einen Vortrag über ihre Forschung zum Thema Geschmack.

Der Fötus nimmt als erste Geschmacksrichtung süß wahr. Dies ist eine Vorbereitung des kindlichen Stoffwechsels auf das Nahrungsangebot nach der Geburt. Es lernt schon im Mutterleib zu schmecken und zu riechen. Wir das Kind geboren und an der Mutterbrust gestillt ist maßgeblich die Zunge beteiligt. Später übernimmt je nach Speise und Kaukraft der Zähne die Zunge die Aufgabe der Zerkleinerung. Der Zerkleinerungsprozess hat zusätzlich den entscheidenden Lustaspekt – den Geschmack. Geschmack und Geruch sind untrennbar aneinander gekoppelt und leiten gemeinsam die Lust am Essen. Die Zunge kann süß, sauer, scharf, salzig und bitter schmecken und ans Gehirn weiterleiten. Vier Zentren des Geschmacks sind in der Großhirnrinde bekannt (süß, salzig, umami, bitter). Sauer und scharf sind eigentlich eher von Erfahrung geprägte Schmerzempfindungen. In Diskussion steht die Wahrnehmung der Geschmacksrichtung metallisch und alkalisch. Über neurologsiche Verschaltung der Halswirbelsäule mit der Zunge haben Patienten mit HWS-Problemen manchmal einen metallischen Geschmack im Mund. Solche Projektionen sind auch für salzig und bitter bekannt.

Unglaublich ist die Vernetzung der Zunge mit entfernt liegenden Bereichen wie Herz, Augen, Gleichgewichtsorgan, Verdauungssystem, Geschlechtsorganen und Frontalhirn. Die Verschaltung entsteht in der ersten Entwicklungsphase des Neugeborenen, in der die Sinnesempfindungen am Rumpf besonders wichtig sind. Hände und Füße werden mit dem Mund erforscht. Erst danach entdeckt das Baby über die Definition Hand und Fuß seinen Oberkörper. Erst wenn das stattgefunden hat, können Hemmungen eingebaut werden, die Eigenberührung von Fremdberührungen unterscheidbar machen. Diese Differenzierung findet aber im Mund und an den Genitalien zeitlebens nicht statt. Die Befriedigung durch Essen hat somit eine archaische Wertigkeit und beglückt uns immer wieder. Allerdings sind aus diesen Gründen auch Zuckersucht, Fresssucht, Rauchen und Alkoholmissbrauch schwer zu therapieren sind. Auf der Suche nach bioaktiven Zutaten für gesündere Nahrungsmittel haben Molekularbiologen wie Dr. Michael Krohn und Dr. Katja Riehle ein Screeningverfahren mit Geschmackszellen aus der menschlichen Zunge entwickelt. Damit haben sie unter tausenden Naturstoffen mehrere Biomoleküle entdeckt, die an unsere Geschmacksensoren binden und so unseren Geschmackssinn überlisten. Die Industrie kann bei der Nahrungsmittelherstellung mit sehr viel weniger Zucker auskommen. Ein Salzverstärker und ein Bitterblocker sind in der Entwicklung auch schon weit fortgeschritten. Salz-, fett- und zuckerreduzierte Nahrungsmittel könnten das deutsche Gesundheitssystem um mehrere Milliarden Euro entlasten.

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Symposium „Die Zunge“

Ort: Bensheim, Praxis Ricken

Datum Sa. 25.März 2017

Zeit: 9.00 Uhr – 14.00 Uhr

Anmeldung: www.forum-eulenhof.de, Tel. 06251/10790

Beitragsbild: cookelma/iStock/Thinkstock

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